Ulrike Liedtke: "Buchpreisbindung muss bleiben!"

Veröffentlicht am 30.05.2018 in Allgemein


Neuruppin. Am vergangenen Dienstag hat sich die Monopolkommission der Bundesregierung in einem Sondergutachten für die Abschaffung der Buchpreisbindung ausgesprochen. Die SPD Ostprignitz-Ruppin weist diese Forderung klar zurück! Denn das Aus der Buchpreisbindung würde die literarische Vielfalt beschneiden und die Existenz der Buchhandlungen in unserer Region gefährden.  
  
Hierzu sagt die Vorsitzende der SPD Ostprignitz-Ruppin sowie kultur- und wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Prof. Dr. Ulrike Liedtke:
„Die Forderung der Monopolkommission nach einer Abschaffung der Buchpreisbindung ist absurd. Die Kommission wurde 1974 eingerichtet, um Wettbewerbsbeschränkungen durch übermäßige Unternehmenskonzentration zu verhindern. Ein Buchmarkt ohne gebundene Preise aber könnte zu einer solchen Konzentration führen, weil durch den Unterbietungs-wettbewerb kleine Verlage und Buchhandlungen nicht überleben würden und übermächti-ge Konzerne und Versandhändler Preise und Inhalte diktieren könnten. Ein Buchmarkt ohne Preisbindung wäre nicht frei, sondern vielmehr eine Gefahr für die Meinungs- und Kultur-vielfalt. Ich bin daher froh, dass die Kulturstaatsministerin Monika Grütters sich gestern klar für die Buchpreisbindung ausgesprochen hat.

Die Argumentation der Monopolkommission ist aus kulturpolitischer Sicht nicht nachvollziehbar. Zwar erkennt sie an, dass die Buchpreisbindung ‚einem im Grundsatz anzuerkennenden kulturpolitischen Ziel‘ dient, behauptet aber zugleich, dass das Kulturgut Buch „ein nicht klar definiertes kulturelles Schutzziel“ sei und die Preisbindung ‚ambivalente bzw. unklare‘ Auswirkungen habe.  
Das Buch ist ein grundlegendes Kommunikationsmittel, das seit Menschengedenken zwar seine physische Form (z. B. Steintafel, Schriftrolle, industrieller Buchdruck) verändert, aber dabei nie seine zivilisationsfördernde und -sichernde Funktion verloren hat: Aufzeichnung, Bewahrung und Weitergabe von Wissen und Erfahrung. In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine ganze Reihe von Technologien entwickelt, die jeweils als der ultimative Träger von Daten und Wissen daherkamen. Aber wer kann heute noch Disketten auslesen? Selbst CD’s kann mittlerweile nicht mehr jeder abspielen, weil er die entsprechenden Geräte bzw. Laufwerke nicht mehr zu Hause hat. Aber wenn ich morgen auf meinem Dachboden ein 200 Jahre altes Buch finde, kann ich es sofort lesen. Wir leben in einer Zeit der Verkürzung, Verleumdung und Verdrehung von Tatsachen und grundlegenden Werten des Zusammenlebens. Einzig das Buch vermag in einer solchen Situation der Verunsicherung und Unübersichtlichkeit Orientierung zu geben. Das schafft kein Tweet. 
Aber nicht nur das Buch ist ein unverzichtbares Kulturgut, das durch Preisbindung (und eine entsprechende Bildungs- und Kulturpolitik) zu schützen ist, sondern auch die Buchläden, von denen in den letzten Jahren schon zu viele verschwunden sind. Buchläden sind Orte der Begegnung und des Austausches. Ein Algorithmus, der angeblich meine Interessen kennt, darf nicht das Gespräch mit einem Buchhändler ersetzen. Außerdem gehören Buchhandlungen zum Stadtbild. Sie gehören genauso dazu wie Rathäuser, Kirchen, Marktplätze oder Theater und Konzerthäuser. Ich empfehle den Sachverständigen der Monopolkommission einen Besuch in den hervorragenden Buchhandlungen in Neuruppin, Rheinsberg, Kyritz oder Wittstock. Ich bin sicher, dass dies ihre Sicht auf das Kulturgut Buch und die Frage, warum es unbedingt schützenswert ist, ändern wird.“

 

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